Die preußische P 10                         (spätere Baureihe 39)

Carl Bellingrodt

Im Bw Jünkerath waren im Laufe der Jahrzehnte viele Baureihen zu Hause - mehr dazu können Sie im Eisenbahnmuseum erfahren - aber keine dieser Baureihen steht so für das Bw Jünkerath wie die preußische P 10, die später als Baureihe 39 bei der Deutschen Reichsbahn bzw. Bundesbahn bezeichnet wurde.

 

Die Entstehung der Baureihe 39 geht auf das Jahr 1919 zurück, als bei der Lokomotivfabrik Borsig der erste Entwurf einer 1’D ‘1’ h3 Lokomotive vorliegt. Die inzwischen gegründete Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) verzögert zwar den Bau, doch können 1921 die ersten 10 Exemplare in Auftrag gegeben werden.

 

Im April 1922 übernimmt die Deutsche Reichsbahn die P 10 als Baureihe 17 (später wurde sie auf Baureihe 39 umnummeriert). Nach dem Leistungsprogramm soll die Lok 700 t mit 95 km/h in der Ebene und mit 30 km/h auf einer Steigung von 10 0/000 befördern. Ihren ersten Einsätzen im schweren Schnellzugdienst steht die mit 19 t Achslast laufende mittlere Kuppelachse hinderlich entgegen. Auf vielen Strecken ist sie noch nicht einsetzbar. Erst nach 1925 beginnt der generelle Ausbau der Hauptstrecken für 20 t Achslast.

 

Die Domäne der Baureihe 39 ist von jeher die Beförderung von schweren Zügen auf Mittelgebirgsstrecken. Hier bewährt sie sich, bis sie zum 15.7.1967 endgültig von den Gleisen der DB verschwindet. Heute existiert keine betriebsfähige Lok dieser Baureihe mehr. Ein sehr gut aufgearbeitetes Exemplar, die 39 230, befindet sich zur Zeit als Leihgabe des Nürnberger Verkehrsmuseums im Deutschen Dampflokomotiv-Museum in Neuenmarkt-Wirsberg und die 39 184, ehemals auch eine Jünkerather Lok, im Werksmuseum der Firma Alstom-LHB (vorher u.a. Linke-Hofmann-Werke) in Salzgitter.

Die Baureihe 39 in Jünkerath

Die oben erwähnten Schwierigkeiten beim Einsatz der 39er auf verschiedenen Hauptstrecken beschert schon recht früh dem Bw Jünkerath, als erstem der damaligen Reichsbahndirektion (RBD) Trier, die P 10. Die in Bestwig abgegebenen 39 049 bis 39 051 und 39 061 gelangen zusammen mit 39 052 und 39 154 des Bw Göttingen ab Dezember 1926 in die Eifel. Einen Monat später, im Januar 1927, vergrößert sich der P 10 - Bestand des Bw um weitere sechs Loks des Bw Osnabrück.

 

Aber schon 1928 werden 4 Loks wieder an die RBD Köln abgegeben, so dass sich für die nächsten Jahre ein fester Bestand von 8 Loks im Bw befindet. Die P 10 bespannen zu dieser Zeit hauptsächlich die schweren, durchgehenden Züge und wenden in Köln, Dortmund, Trier und Saarbrücken. Dabei ist in Jünkerath jeweils Personalwechsel. Man praktiziert hier das “aus der Mitte heraus fahren”.

 

Der Wechsel der Direktion (von Trier nach Köln) im Jahre 1937 bringt auch einen vollständigen Wechsel des P 10 - Bestandes in Jünkerath mit sich. Alle in Jünkerath eingesetzten 39er werden bis zum 28.4. an das Bw Trier abgegeben. Jünkerath erhält aber sofort Ersatz aus dem Kölner Bestand. Diese befördern weiter Züge auf der Eifelstrecke.

 

Gegen Ende des 2. Weltkrieges kommt der gesamte Eisenbahnverkehr zum Erliegen, und die 39er verlässt Anfang 1945 Jünkerath. Nach dem Krieg blüht der Verkehr langsam wieder auf und im Sommer 1951 erscheint die P 10 ein zweites Mal im Bw. Die Lokomotiven übernehmen wieder die gleichen Dienste wie vor dem Krieg. Wendebahnhöfe sind Köln, Trier und Saarbrücken. Doch der zweite Einsatz währt nicht lange: 1954 zieht man alle 39er ab und die 38er - die preußische P 8 - übernimmt deren Leistungen. Ob die 38er den geforderten Aufgaben nicht gewachsen ist oder ob andere Gründe ausschlaggebend sind, jedenfalls beginnt im Jahre 1957 die dritte P 10 - Ära in Jünkerath.

 

Ab dem Jahr 1957 wird Jünkerath nach und nach Heimat fast aller noch im Bereich der DB laufenden Loks dieser Baureihe. Doch für alle bedeutet die Umstationierung nach Jünkerath: Auslauf-Bw, d. h. Endstation.... sie werden ausnahmslos nach Ablauf der Kesselfrist “z” gestellt.

 

Der letzte Planeinsatz der Baureihe 39 erfolgt im Fahrplanabschnitt Winter 1965/66. Danach erfolgte die Außerdienststellung, was allerdings nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Viele der P 10 hätten noch einige Jahre länger ihren Dienst versehen können. Nach den geltenden Vorschriften hätte bei einigen eine Verlängerung der Kesselfrist bis 1971 im Rahmen des Möglichen gelegen. Doch der Strukturwandel und mit ihm die neuen Dieselloks V 100 und V 160 sowie die geliehenen 03 aus Köln und 01 aus Trier verdrängen die P 10. So macht die 39 204, als letzte ihrer Art in Jünkerath, am 25.5.1966 ihre letzte Fahrt.

 

Diese Angaben entstammen dem Buch “Eisenbahngeschichte des Ortes Jünkerath” von Wolfgang Kreckler, herausgegeben im Jahr 1995 vom Verein “Eisenbahnfreunde Jünkerath e.V.”

Die technischen Daten der Baureihe 39

Anzahl

260

Hersteller

u.a. Borsig

Baujahre

1922 - 27

Bauart

1’D1’ h3

Gattung

P 49.19

Länge über Puffer

22.890 mm

Gesamtradstand

11.600 mm

Leermasse

100,4 t

Dienstmasse

110,4 t

Reibungsmasse

75,7 t

Radsatzfahrmasse

19,4 t

Höchstgeschwindigkeit

110 km/h

Indizierte Leistung

1620 PSi

Treibraddurchmesser

1.750 mm

Laufraddurchmesser vorn

1.000 mm

Laufraddurchmesser hinten

1.100 mm

Zylinderanzahl

3

Zylinderdurchmesser

520 mm

Kolbenhub

660 mm

Kesselüberdruck

14 bar

Anzahl der Heizrohre

138

Anzahl der Rauchrohre

34

Rostfläche

4,08 m²

Rohrheizfläche

122,30 m²

Überhitzerfläche

77,20 m²

Verdampfungsheizfläche

217,01 m²

Tender

pr 2'2' T 31,5

Wasservorrat

31,5 m³

 

Jünkerather Personal auf 39 158; Sammlung Heinz Regnery
39 161 in Euskirchen. Die Lok war von 1958 bis 1964 in Jünkerath stationiert; Aufnahme Gerhard Englisch

Zu guter Letzt...

Über die P 10 gibt es eine Reihe von Büchern. Für Jünkerath ganz besonders interessant ist aber das Buch, das Sie hier abgebildet sehen.

 

Das 1970 erschienene Buch enthält neben allgemeinen Informationen über die P 10 auch eine Schallplatte mit Tonaufnahmen:

 

Szene 1: Ausfahrt des Personenzuges 1576 aus Köln Hbf, geführt von der Jünkerather 39 161

 

Szene 2: Besuch im Bw Jünkerath. Ausfahrt des Eilzuges 554, geführt von 39 009, aus Bahnhof Jünkerath

 

Szene 3: Bergfahrt des Personenzuges 1579, geführt von 39 250

 

Szene 4: Fahrt auf dem Führerstand der 39 204, der letzten Jünkerather P 10. Ausfahrt Urft-Steinfeld, Halt in Kall, Fahrt durch Kaller Tunnel und Ankunft in Scheven.

 

Das Buch ist über den normalen Buchhandel leider nicht mehr zu beziehen, sondern nur noch über Antiquariate oder bei Online-Auktionen.

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