Museumsstück des Monats September 2026: Übersichtsplan Call - Trier

Manfred Jehnen • 24. September 2026

Museumsstück des Monats September 2026: Übersichtsplan Call - Trier

Übersichtsplan Call - Trier

Unser Museumsstück des Monats September 2026 eignet sich eigentlich nicht für eine normale Website, denn es ist über fünf Meter lang!


Es handelt sich um einen "Situations- und Nivellements-Uebersichts-Plan der Eifel-Eisenbahn von Call bis Trier", gezeichnet im März des Jahres 1868. 


Als der Zeichner sich an die Arbeit machte, war die Eifelstrecke noch längst nicht fertig. Einige Zeit nach der Eröffnung der Strecke Köln - Düren - Achen im Jahre 1841 begann  die Rheinische Eisenbahngesellschaft 1864 damit, davon abzweigend einen ersten Streckenabschnitt von Düren nach Euskirchen zu bauen. Am 1. Juli 1865 wurde der Abschnitt Euskirchen - Mechernich eröffnet und am 1. November 1867 der Abschnitt Mechernich - Kall, damals noch mit "C" geschrieben. 


Unser Plan bezieht sich nun auf den restlichen Abschnitt, der ebenfalls in mehreren Etappen eröffnet wurde:

  • am 19.06.1868 der Abschnitt Kall - Sötenich, 
  • am 15.11.1870 der Abschnitt Sötenich - Gerolstein und
  • am 15.07.1871 schließlich der Abschnitt Gerolstein - Trier-West

Es handelt sich also um ein Dokument aus der Planungs- und Bauzeit dieser letzten Abschnitte der Eifelbahn. Damit ist er der älteste Plan aus unserem umfassenden Planarchiv.


Das nachfolgende Bild zeigt den Plan in seiner ganzen Länge. 

Wie man erahnen kann, besteht der Plan aus acht Teilen. Ganz rechts erkennt man das Titelblatt mit den oben am Beginn des Artikels dargestellten künstlerischen Schriftzüge. Auseinandergeklappt hat er eine Länge von 5,60 Metern. Er weist zahlreiche Informationen in kompaktem Format auf:


  • für jeden Bahnhof wird ein kleiner Gleisplan aufgeführt,
  • die Maße sind in Ruthen und Meilen angegeben. Eine preußische Meile = 2.000 Ruthen = 24.000 Fuß. Umgerechnet auf heutige Maße entspricht eine preußische Meile 7,5325 Kilometer, eine Ruthe 3,7662 Meter.
  • man erkennt deutlich den Streckenverlauf, Orte, Flüsse etc. aber auch die Steigungen, Neigungen, die Gleisradien und andere eisenbahnspezifische Daten.


Beeindruckend ist vor allem auch die Detailtiefe und Detailverliebtheit. Der Zeichner war ein wahrer Künstler, wie man anhand der wenigen Beispiele in diesem Beitrag sehen kann. Alleine der am Beginn des Artikels dargestellte Titel ist bereits ein Kunstwerk für sich.

Der obige Bildausschnitt zeigt den Gleisplan des geplanten Bahnhofs Jünkerath (Stadtkyll), der später in "Jünkerath" umbenannt wurde. Solche Gleispläne, die für den Eisenbahnfreund viele Informationen enthalten, gab es zu jedem einzelnen Bahnhof des Streckenabschnitts.

Dieser Ausschnitt zeigt den Höhenplan für den letzten Teil von Cordel bis Trier-West.


Auch dieser Plan war vom Hochwasser 2021 betroffen. Glücklicherweise lag er relativ gut geschützt in einem Planschrank, sodass sich die Folgen in Grenzen hielt. Der Plan war zwar nass und von einer leichten Schlammschicht, außerdem in seine acht Einzelteile zerfallen. Nach sorgfältiger und gründlicher Reinigung konnte er wieder zusammengesetzt werden und man sieht ihm sein tragisches Schicksal kaum an.


Dennoch schonen wir den Plan und klappen ihn normalerweise nicht mehr auseinander. Das ist auch nicht notwendig, weil alleine das Titelblatt ausreicht, um die Besucher zu begeistern und in den Bann zu ziehen.


Ohne Zweifel ist der "Situations- und Nivellements-Uebersichts-Plan der Eifel-Eisenbahn von Call bis Trier" eines der schönsten Objekte in unserem Museum.

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