Wählen statt tippen
Heute genügt ein Fingertipp auf einen Kontakt, um jemanden anzurufen. Beim W 48 musste dagegen noch gewählt werden – und zwar buchstäblich.
Jede Ziffer der Telefonnummer wurde einzeln mit der Wählscheibe eingestellt. Dazu steckte man den Finger in das entsprechende Loch, drehte die Scheibe bis zum Anschlag und ließ sie anschließend zurücklaufen. Dieser Vorgang wurde für jede weitere Ziffer wiederholt.
Das damalige Impulswahlverfahren war deutlich langsamer als die heute gewohnte Tonwahl. Telefonnummern wurden deshalb häufig auswendig gelernt oder in einem Telefonbuch beziehungsweise einem kleinen Notizbuch notiert.
Auch der charakteristische Klang der Wählscheibe gehört heute zu den Erinnerungen an diese Telefone: das schnelle Zurücklaufen der Scheibe, begleitet vom typischen mechanischen Geräusch.
Ein Telefon, das nicht einfach gekauft wurde
Eine weitere Besonderheit erscheint uns heute ungewöhnlich: Die Deutsche Bundespost verkaufte ihre Fernsprechapparate grundsätzlich nicht an die Anschlussinhaber. Das Telefon wurde gegen eine Gebühr zur Verfügung gestellt. Auch Wartung und Reparatur waren Sache der Post.
Das bedeutete auch, dass man nicht einfach selbst ein beliebiges Telefon anschließen konnte. Die Fernmeldetechnik war Teil des öffentlichen Telefonnetzes und unterlag den technischen Vorgaben der Deutschen Bundespost.
Der W 48 wurde dabei in zahlreichen Varianten hergestellt. Es gab beispielsweise Ausführungen mit und ohne Erdtaste sowie Geräte mit zusätzlichen Funktionen für Nebenstellenanlagen.
Vom Büro bis zum Bahnhof
Telefone waren in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg ein unverzichtbares Kommunikationsmittel. Das galt ganz besonders für Unternehmen, Behörden und natürlich auch für die Eisenbahn.
In Bahnhöfen und Stellwerken mussten Informationen schnell und zuverlässig übermittelt werden. Fahrdienstleiter, Stellwerksbedienstete und andere Eisenbahner waren auf funktionierende Kommunikationsverbindungen angewiesen. Telefonische Gespräche ergänzten dabei die zahlreichen anderen Kommunikationsmittel des Eisenbahnbetriebs.
Gerade deshalb passt ein W 48 besonders gut in ein Eisenbahnmuseum. Er erinnert nicht nur an die private Kommunikation vergangener Jahrzehnte, sondern auch an die technische Infrastruktur, die für einen sicheren und reibungslosen Eisenbahnbetrieb notwendig war.
Ein vertrauter Anblick aus vergangenen Jahrzehnten
Unser Museumsstück zeigt noch einige typische Merkmale eines solchen historischen Fernsprechers. Neben der schwarzen Bakelit-Ausführung fällt insbesondere die geflochtene Hörerschnur auf. An der Vorderseite befindet sich außerdem ein kleines rechteckiges Beschriftungsfeld.
Wie bei vielen historischen Geräten erzählt gerade dieses unscheinbare Detail eine kleine Geschichte: Telefonnummern und andere Angaben wurden nicht einfach digital gespeichert, sondern konnten direkt am Gerät notiert werden.
Der W 48 war ein Gebrauchsgegenstand – kein Designobjekt. Und gerade darin liegt heute sein besonderer Reiz.
Vom W 48 zum Smartphone
Vergleicht man den W 48 mit einem modernen Smartphone, könnte der Unterschied kaum größer sein.
Der W 48 stand fest auf einem Tisch. Er hatte eine Wählscheibe, einen Hörer und eine Leitung. Wer telefonieren wollte, musste dort sein, wo das Telefon stand.
Heute tragen wir unser Telefon ständig bei uns. Wir telefonieren damit, schreiben Nachrichten, fotografieren, lesen Nachrichten, suchen Informationen, navigieren und erledigen zahlreiche Dinge, für die früher ganz unterschiedliche Geräte notwendig waren.
Der W 48 erinnert uns deshalb daran, wie schnell sich unsere Kommunikationsmöglichkeiten verändert haben.
Vor rund 75 Jahren war ein Telefonanschluss etwas Besonderes. Heute ist die Möglichkeit, praktisch jederzeit und überall miteinander zu kommunizieren, für die meisten Menschen selbstverständlich.
Unser Museumsstück des Monats
Unser schwarzer Tischfernsprecher W 48 ist auf den ersten Blick vielleicht nur ein altes Telefon. Bei genauerem Hinsehen wird er jedoch zu einem Stück Technik- und Alltagsgeschichte.
Er erzählt von der Deutschen Bundespost, von der Entwicklung der Fernmeldetechnik und von einer Zeit, in der Telefonieren noch einen festen Ort hatte. Und als Bestandteil unserer Ausstellung erinnert er zugleich daran, wie wichtig zuverlässige Kommunikation auch für die Eisenbahn war.
Entdecken Sie den W 48 und viele weitere originale Zeugnisse der Eisenbahngeschichte im Eisenbahnmuseum Jünkerath.
Vielleicht erinnern sich einige unserer Besucher beim Anblick des schwarzen Bakelitapparates noch an das eigene erste Telefon – und vielleicht sogar daran, wie lange es gedauert hat, eine Telefonnummer mit der Wählscheibe zu wählen.
Museumsstück des Monats August 2026 – ein Telefon, das uns daran erinnert, wie sehr sich die Welt der Kommunikation verändert hat.