Richtfest zum Bahnhof aus Walporzheim
Vom Ahrtal nach Kommern: Richtfest für den Bahnhof Walporzheim
Gestern war ich für die Eisenbahnfreunde Jünkerath e. V. beim Richtfest für den translozierten Bahnhof Walporzheim im LVR-Freilichtmuseum Kommern zu Gast. Eingeladen hatte uns das Freilichtmuseum selbst – und das aus einem schönen Grund: Bereits vor einiger Zeit hatte der damalige, leider viel zu früh verstorbene Projektleiter Raphael Thörmer unser Eisenbahnmuseum in Jünkerath besucht, um gemeinsam mit uns der Frage nachzugehen, wie sich die Geschichte des Bahnhofs Walporzheim weiter erforschen und museal aufarbeiten lässt.
Damals konnten wir aus unserem Archiv einen kleinen Beitrag zu diesem spannenden Projekt leisten. Für die Erforschung und spätere museale Einordnung des Bahnhofs stellten wir Pläne des ähnlich gestalteten Bahnhofs Antweiler (Ahr) zur Verfügung. Umso mehr hat es uns gefreut, nun beim Richtfest in Kommern selbst dabei zu sein und zu erleben, wie aus einem geretteten Bahnhofsgebäude Schritt für Schritt wieder ein sichtbares Stück Eisenbahngeschichte wird.
Ein großer Zuspruch für ein besonderes Projekt
Dass der Bahnhof Walporzheim viele Menschen bewegt, zeigte sich schon beim Blick auf die Zahl der Gäste: Rund 300 Besucherinnen und Besucher waren nach Kommern gekommen. Wegen der großen Resonanz und der zahlreichen Anmeldungen wurde die Veranstaltung kurzerhand nach draußen verlegt – eine Entscheidung, die dem Richtfest einen besonders offenen und zugleich festlichen Rahmen gab.
Begrüßt wurden die Gäste von Anke Henk-Hollstein, der Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Rheinland. Auch Dr. Carsten Vorwig, Leiter des LVR-Freilichtmuseums Kommern, sowie Anne Karl, Hausforscherin des Museums, sprachen über das Projekt und seine Bedeutung. Sie machten deutlich, dass es beim Bahnhof Walporzheim um weit mehr geht als um den Wiederaufbau eines historischen Gebäudes: Es geht um die Bewahrung eines wichtigen Zeugnisses regionaler Verkehrs- und Eisenbahngeschichte – und zugleich um einen sehr besonderen Umgang mit den Folgen der Flutkatastrophe im Ahrtal.
Ein Höhepunkt war natürlich der traditionelle Richtspruch, den Edgar Lauterbach, Zimmermann des LVR-Freilichtmuseums Kommern, vortrug. Spätestens in diesem Moment wurde deutlich: Der Bahnhof Walporzheim ist in Kommern nicht nur angekommen – er ist bereits wieder ein echtes Bauwerk geworden.
Ein Stück Ahrtalbahn mit bewegter Geschichte
Das Bahnhofsgebäude, das nun in Kommern wieder aufgebaut wird, entstand im Zuge der Neutrassierung der Ahrtalbahn um 1911/12 und prägte über Jahrzehnte das Bild des Bahnhofs Walporzheim. Nach der Flutkatastrophe im Juli 2021 stellte sich die Frage, wie mit diesem historischen Gebäude umzugehen sei. Das Empfangsgebäude war zwar nicht direkt von der Flut betroffen und zeitweise sogar Endpunkt des Ende 2021 wieder in Betrieb genommenen Teils der Ahrtalbahn, aber beim Wiederaufbau des Streckenabschnitts Walporzheim - Ahrbrück sollte an anderer Stelle ein neuer Haltepunkt entstehen. Das Empfangsgebäude war damit überflüssig geworden.
Dass man sich schließlich für die Sicherung, den Abbau und die Translozierung ins LVR-Freilichtmuseum Kommern entschieden hat, ist alles andere als selbstverständlich. Zu verdanken ist dies einem Anruf einer DB-Mitarbeiterin beim Freilichtmuseum. Dort war man schon längere Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Bahnhofsgebäude und nach einigen Gesprächen mit der DB AG konnte das Projekt beginnen.
Der Abbau erfolgte mit großem technischem und denkmalpflegerischem Aufwand. Nahezu alle noch vorhandenen Ausstattungsteile konnten geborgen und dokumentiert werden. Diese außergewöhnlich vollständige Sicherung ermöglicht es nun, den Bahnhof nicht nur als Gebäude, sondern auch als Arbeits- und Lebenswelt seiner letzten Betriebsphase nachvollziehbar zu rekonstruieren.
Gerade für Eisenbahnfreunde ist dieses Projekt von besonderem Interesse. Denn hier wird nicht einfach ein Gebäude „gerettet“, sondern ein Stück Eisenbahngeschichte in einen neuen musealen Zusammenhang gestellt. Der Bahnhof Walporzheim wird künftig nicht nur an seine Rolle im Ahrtal erinnern, sondern auch daran, wie eng Technik-, Verkehrs- und Regionalgeschichte miteinander verbunden sind.
Fast wie ein Familientreffen
Neben dem offiziellen Programm hatte das Richtfest aber noch eine ganz eigene, fast familiäre Atmosphäre. Viele bekannte Gesichter aus der Eisenbahnszene waren vertreten, sodass die Veranstaltung stellenweise fast wie ein kleines Familientreffen wirkte. Mit dabei waren unter anderem die Ahrtalbahnfreunde e. V. – und auch die Uniformgruppe um Stefan Ingenfeld, mit der wir Ende 2024 bereits gemeinsam im Eisenbahnmuseum Jünkerath eine Uniformmodenschau veranstaltet haben.
Für eine besondere Überraschung sorgte genau diese Gruppe auch in Kommern: Als zusätzlicher Programmpunkt präsentierten Stefan Ingenfeld und seine Mitstreiter Uniformen aus der Zeit von den 1920er Jahren bis in die 1990er Jahre. Damit bekam das Richtfest noch einmal eine ganz besondere historische Note. Die Uniformen machten deutlich, dass zur Eisenbahngeschichte eben nicht nur Gebäude, Gleise und Fahrzeuge gehören, sondern auch die Menschen, die den Bahnbetrieb über Generationen geprägt haben – und die Kleidung, in der sie ihren Dienst versahen.
Ein Bahnhof als Museum in zwei Zeitschichten
Besonders spannend war für mich als historisch interessiertem Eisenbahnfreund der Blick auf das museale Konzept des wiederaufgebauten Bahnhofs.
Schon die teilweise rekonstruierte Bedachung deutet an, dass im Gebäude künftig unterschiedliche Zeitschichten der Eisenbahngeschichte erfahrbar werden. Der mit Schiefer gedeckte Gebäudeteil soll die 1950er- und 1960er-Jahre repräsentieren. Dort ist eine möglichst originalgetreue Rekonstruktion des damaligen Wartesaals vorgesehen. Das LVR-Freilichtmuseum ist hierfür weiterhin auf der Suche nach Fotos und Dokumenten aus dieser Zeit.
Im übrigen Gebäudeteil wird dagegen der Zustand des Jahres 2023 dargestellt – also der letzte Betriebszustand vor dem Abbau. Besonders faszinierend ist dabei, dass beim Rückbau nahezu die gesamte Inneneinrichtung geborgen werden konnte. So entsteht dort ein Eisenbahner-Arbeitsplatz, der wirkt, als hätten die Diensthabenden ihn nur kurz verlassen und würden jeden Moment zurückkehren. Selbst kleine Details wie eine Kaffeetasse oder ein Überraschungs-Ei auf dem Schreibtisch wurden gesichert und sollen wieder an ihren Platz zurückkehren.
Auch das Stellwerk wird im zuletzt vorhandenen Zustand präsentiert. Vor dem Gebäude entsteht ein Gleis mit Bahnsteig; zudem soll das ehemalige Ausfahrsignal wieder aufgestellt werden. Um diese Situation realistisch darstellen zu können, wurde das Gebäude in Kommern auf einem Betonsockel leicht erhöht errichtet.
Die Vermittlung der Geschichte der Ahrtalbahn und des Bahnhofs Walporzheim erfolgt künftig nicht nur klassisch, sondern auch mit moderner Medientechnik. Besonders bemerkenswert ist dabei die barrierefreie Erschließung des Gebäudes – eine außergewöhnliche Lösung bei einem historischen Bauwerk. Der ursprüngliche Treppenabgang wird lediglich angedeutet, die übrigen Stufen werden digital vermittelt.
Von großem Vorteil ist die außergewöhnlich detaillierte Dokumentation des letzten Bauzustands vor dem Abbau. Sie bildet eine nahezu vollständige Grundlage für die spätere museale Umsetzung und ermöglicht eine Rekonstruktion, die in dieser Form nur selten möglich ist.
Ein Projekt mit Zukunft
Ich bin sehr gespannt, wie dieses Konzept in den kommenden Jahren umgesetzt wird. Schon jetzt ist erkennbar, dass in Kommern weit mehr entsteht als ein wiederaufgebautes Bahnhofsgebäude. Es wächst ein Ort heran, an dem Eisenbahngeschichte in unterschiedlichen Zeitschichten erfahrbar wird – vom Alltag der 1950er- und 1960er-Jahre bis hin zur Betriebsrealität des Jahres 2023.
Wir als Eisenbahnfreunde Jünkerath werden dieses außergewöhnliche Projekt weiterhin mit großem Interesse begleiten und, wenn möglich, auch künftig mit Rat und Tat unterstützen.
Einen ausführlichen Bericht zum Projekt und zum Bahnhof Walporzheim bringen wir in der nächsten Ausgabe unserer EFJ-Info.
Zum Abschluss des Artikels hier noch ein paar nützliche Links und Impressionen vom gestrigen Tag.



















