Museumsstück des Monats Juni 2026: Fahrplan Pilgersonderzug

Manfred Jehnen • 27. Juni 2026

Pilgersonderzug der Eifeler Kevelaer-Bruderschaft Jünkerath

Fahrplan für den Pigersonderzug nach Kevelaer

Wer heute zur Wallfahrt nach Kevelaer aufbricht, steigt meist in den Bus oder fährt mit dem eigenen Auto. Dass dies früher ganz anders war, zeigt ein unscheinbares, aber geschichtlich hochinteressantes Dokument aus der Sammlung der Eisenbahnfreunde Jünkerath e. V.: der Fahrplan eines Pilgersonderzuges der Eifeler Kevelaer-Bruderschaft aus dem Jahr 1971.


Auf den ersten Blick wirkt das einseitige DIN-A4-Blatt wie ein gewöhnlicher Fahrplan der Deutschen Bundesbahn. Doch bei näherem Hinsehen erzählt es von einer Zeit, in der die Eisenbahn nicht nur Verkehrsmittel, sondern ein wichtiger Bestandteil des religiösen und gesellschaftlichen Lebens war.


Eine lange Tradition


Die Wallfahrt zum Marienwallfahrtsort Kevelaer am Niederrhein besitzt in der Eifel eine jahrhundertelange Tradition. Jahr für Jahr machten sich zahlreiche Gläubige auf den Weg, um gemeinsam an den Gottesdiensten teilzunehmen und ihre Anliegen zur Gottesmutter zu tragen.


Bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts spielte dabei die Eisenbahn eine entscheidende Rolle. Für die Deutsche Bundesbahn waren solche Pilgerzüge ein fester Bestandteil des Sonderzugverkehrs. Sie ermöglichten es, größere Gruppen bequem und ohne Umsteigen an ihr Ziel zu bringen.


Trier – Jünkerath – Kevelaer


Der Fahrplan dokumentiert die Wallfahrt am 31. Juli und 1. August 1971. Der Sonderzug begann seine Fahrt morgens um 9.10 Uhr in Trier Hauptbahnhof. Von dort führte die Reise über die Eifelstrecke mit zahlreichen Unterwegshalten unter anderem in Ehrang, Kyllburg, Gerolstein und Lissendorf.


Parallel dazu war ein weiterer Zug aus Richtung Losheim unterwegs. Dieser hielt unter in Losheim, Hallschlag, Kronenburg und Stadtkyll, bevor er um 11.30 Uhr Jünkerath erreichte.


Hier konnten Reisende aus dem gesamten Umland zusteigen. Gleichzeitig waren am Bahnhof Jünkerath Sonderzugkarten erhältlich – ein deutlicher Hinweis auf die Bedeutung des Bahnhofs für diese Wallfahrten.


Nach den weiteren Stationen Dahlem, Schmidtheim, Blankenheim (Wald), Nettersheim und Urft. Die übrigen Stationen gehen aus dem Fahrplan nicht hervor. Der Zug wird auf der Eifelstrecke bis Köln Hbf gefahren sein und von dort aus über Krefeld nach Kevelaer, wo er um 14.12 Uhr ankam. 


Am folgenden Nachmittag trat der Zug um 14.02 Uhr die Rückreise an und erreichte Jünkerath um 16.50 Uhr sowie Trier um 18.52 Uhr.


Reisen in Gemeinschaft


Der Fahrplan zeigt noch weitere interessante Details. So kostete die Hin- und Rückfahrt von Trier nach Kevelaer 22,60 DM, ab Jünkerath lediglich 16,20 DM. Besonders beworben wurden außerdem die „hohe Fahrpreisermäßigung“ sowie eine Anschlussermäßigung von 50 Prozent.


Bemerkenswert ist auch der Hinweis, dass die Deutsche Bundesbahn keine Quartiere vermittelte. Die Anmeldung für Übernachtungen musste unmittelbar beim Verkehrsverein in Kevelaer erfolgen. Der Sonderzug war also Teil eines sorgfältig organisierten Gesamtkonzeptes, bei dem Eisenbahn und Wallfahrtsorganisation eng zusammenarbeiteten.


Die Kevelaer-Bruderschaft in Jünkerath


Dass der Sonderzug ausgerechnet in Jünkerath einen so wichtigen Halt einlegte, kam nicht von ungefähr. Im Ort bestand eine eigene Kevelaer-Bruderschaft, die die jährlichen Wallfahrten organisierte. Zugleich war der Bahnhof Jünkerath aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage ein idealer Ausgangspunkt für Pilger aus der gesamten Region.


Für viele Teilnehmer dürfte die gemeinsame Bahnfahrt bereits ein wichtiger Bestandteil der Wallfahrt gewesen sein. Anders als heute begann das Gemeinschaftserlebnis nicht erst am Ziel, sondern schon auf dem Bahnsteig und während der gemeinsamen Zugfahrt durch die Eifel.


Das Ende einer Ära


Über viele Jahrzehnte gehörten Pilgersonderzüge selbstverständlich zum Angebot der Deutschen Bundesbahn. Doch mit dem zunehmenden Individualverkehr und der Verfügbarkeit moderner Reisebusse änderte sich das Reiseverhalten.


Für die Jünkerather Kevelaer-Wallfahrt endete die Zeit der Bahnfahrten schließlich 1996. Seitdem erfolgt die Anreise mit dem Bus.


Der erhaltene Fahrplan von 1971 erinnert damit an eine längst vergangene Form des Reisens. Er dokumentiert nicht nur einen Fahrplan, sondern auch ein Stück Alltags-, Verkehrs- und Religionsgeschichte der Eifel. Gerade solche unscheinbaren Dokumente machen deutlich, wie eng Eisenbahn und das Leben der Menschen einst miteinander verbunden waren.


Unser Museumsstück des Monats bewahrt diese Erinnerung – an eine Zeit, als sich jedes Jahr zahlreiche Pilger auf den Bahnsteigen der Eifel versammelten und gemeinsam mit der Eisenbahn nach Kevelaer aufbrachen.

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