Mit dem Eifelverein auf den Spuren der Strecke Hillesheim – Gerolstein

Manfred Jehnen • 29. März 2026

Mit dem Eifelverein auf den Spuren der Strecke Hillesheim – Gerolstein

Auf Einladung der Ortsgruppen Gerolstein und Hillesheim des Eifelvereins trafen sich gegen 13:15 Uhr mehr als 30 Interessierte, um gemeinsam mit Helmut Bell und mir die Spuren der ehemaligen Eisenbahnstrecke Hillesheim–Gerolstein zu erkunden.


Nachdem wir im vergangenen Jahr den Abschnitt von Pelm bis Dohm erwandert hatten, führte die diesjährige Tour über rund sechs Kilometer von Dohm bis Hillesheim. Im Gepäck hatten wir historische Fotos und Pläne, die wir mit zahlreichen Informationen zur Strecke ergänzten. Außerdem konnte ich bereits einen Vorentwurf des Buches vorstellen, das am 7. November 2026 im Eisenbahnmuseum Jünkerath präsentiert wird.


Unterwegs zeigten sich viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer überrascht, wie viele Relikte der ehemaligen Bahnlinie noch vorhanden sind – wenn man weiß, wo man suchen muss. Ein Kilometerstein hier, Reste von Brückenbauwerken dort oder ein ungewöhnlich breiter Waldweg, an dessen Rändern sich mitunter noch eisenbahntypischer Schotter findet. Ohne entsprechende Hinweise wären diese Spuren kaum zu entdecken – und doch erzählen sie von einer Strecke, die vor rund 114 Jahren eröffnet und vor gut 80 Jahren stillgelegt wurde.


Die Wanderfreunde beteiligten sich mit großem Interesse, stellten zahlreiche Fragen und machten die Exkursion zu einer rundum gelungenen und lebendigen Veranstaltung.


Gegen 16:15 Uhr erreichten wir den Bahnhof Hillesheim. Auch hier bot sich Gelegenheit, anhand von Fotos und Hintergrundinformationen die frühere Bedeutung des Bahnhofs für den Ort und die Region anschaulich nachzuvollziehen.


Neben vielen interessanten Gesprächen wurden auch neue Kontakte geknüpft. Das Interesse an der Strecke ist – besonders in den Orten entlang der ehemaligen Trasse – weiterhin groß. Daher wurde bereits über eine Wiederholung der Wanderungen im kommenden Jahr nachgedacht. Die Eisenbahnfreunde Jünkerath stehen hierfür gerne bereit – sei es mit Vorträgen vor Ort oder bei der Mitgestaltung weiterer Exkursionen.


Die Eisenbahnfreunde Jünkerath bedanken sich bei den Eifelvereins-Ortsgruppen Gerolstein und Hillesheim für die Einladung und die Möglichkeit, den Wanderern die spannende Geschichte der Eisenbahnstrecke, die es einmal zwischen den beiden Orten gab, nahezubringen.

Das Hillesheimer Viadukt

Streckenportrait


Die Strecke Hillesheim - Gerolstein war Teil einer Reihe von Eisenbahnlinien, die von 1909 - 1912 gebaut wurden und die man im Zusammenhang sehen muss. Folgende Projekte wurden in dieser Zeit durchgeführt:

  • zweigleisiger Ausbau der Ahrtalbahn von Remagen bis Dümpelfeld
  • zweigleisiger Neubau einer Strecke von Dümpelfeld über Ahrdorf - Hillesheim - Lissendorf nach Jünkerath
  • zweigleisiger Neubau der Strecke Jünkerath - Losheim - Weywertz
  • zweigleisiger Neubau einer Verbindungsbahn von Hillesheim nach Gerolstein

Die Strecken waren Teil der strategischen Erweiterung des Eisenbahnnetzes im Rahmen des Schlieffen-Plans. Die Strecke Hillesheim - Gerolstein war außerdem Teil der Ruhr-Mosel-Entlastungslinie, die dem Massengüterverkehr zwischen den Industriegebieten an der Ruhr (Kohle, Koks) und Lothringen (Erz) dienen sollte.


Durch den verlorenen 1. Weltkrieg waren beide Gründe für den Bahnbau obsolet und so verlor die Strecke an Bedeutung. Zeitweise hat man den Personenverkehr sogar komplett eingestellt. Aufschwung gab es erst wieder ab 1933, als die Nationalsozialisten mit staatlichen Programmen und mit dem Westwallbau für Verkehr auf den Eisenbahnen sorgten.


Auch im Zweiten Weltkrieg war Hillesheim - Gerolstein natürlich durch Militärtransporte ausgelastet. Das Militär besiegelte schließlich auch das Schicksal der zweigleisigen Verbindungsbahn. Am 5. März 1945 sprengte die Deutsche Wehrmacht fast alle Brücken der gut 12 Kilometer langen Strecke, darunter auch das Hillesheimer Viadukt. 


Nach dem Krieg wurde die Strecke nicht wieder aufgebaut. Man entfernte den Oberbau, und riss das, was von den gesprengten Brücken übriggeblieben war, nach und nach ab. Ein tiefer Einschnitt bei Dohm-Lammersdorf  wurde ab 1975 sogar als Mülldeponie genutzt und in den Folgejahren mit rund 800.000 cbm Müll verfüllt.


Heute erinnert nur noch wenig an die Eisenbahnlinie, der von den Planern eine wichtige Rolle zugedacht worden war.


Buchtitel des Buches über die Strecke Hillesheim - Gerolstein

Das Buch zur Strecke


Die Eisenbahnfreunde Jünkerath stellen am 7. November 2026 ihr Buch über die Strecke Hillesheim - Gerolstein vor.


Uns ist es wichtig, Eisenbahngeschichte zu aufzuarbeiten und zu dokumentieren und das ist gerade bei dieser Bahnlinie notwendig und gleichzeitig eine Herausforderung. Sie bestand nur gut 30 Jahre und ist seit mehr als 80 Jahren stillgelegt. Da war es nicht ganz leicht, noch Dokumente, Fotos und Informationen zu finden. 


Dank intensiver Recherche und viel Unterstützung von Eisenbahnfreunden und Heimatforschern konnte vieles herausgefunden, was so noch nicht bekannt war. Viele Bilder und Pläne ergänzen die Informationen. Zeitgenössiche Presseberichte runden die Fakten ab und lassen die Zeit des Betriebes dieser besonderen Bahn wieder lebendig werden.


Mehr Informationen zum Buch finden Sie hier auf unserer Homepage.

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