Museumsstück des Monats April 2026: K- und L-Tafel

Manfred Jehnen • 27. April 2026

Mit K und L durch den Zugbetrieb – die Signale Zs 4 und Zs 5

K- und L-Tafel

Im Eisenbahnbetrieb kommt es nicht nur auf Signale im klassischen Sinne an – also auf Haupt- und Vorsignale entlang der Strecke. Gerade früher spielte auch die direkte Verständigung zwischen Fahrdienstleiter und Lokführer eine wichtige Rolle. Ein besonders interessantes Beispiel dafür sind die Zusatzsignale Zs 4 und Zs 5, die heute nahezu vergessen sind.


Unsere Museumsstücke zeigen genau solche Signale in ihrer ursprünglichen Form: als Schilder, die vom Stellwerk aus dem fahrenden Zug entgegengehalten wurden.


Beschleunigen auf Anweisung: Zs 4


Das Signal Zs 4 besteht aus einem weißen Dreieck mit rotem Rand und dem Buchstaben „K“ oder bei Dunkelheit aus einem nach oben zeigenden weißen Lichtwinkel


Das „K“ steht dabei für eine klare betriebliche Anweisung: „Die Fahrzeit ist zu kürzen.“ Für den Lokführer bedeutete das: Er sollte bis zur nächsten Zugfolgestelle die größtmögliche (zulässige) Geschwindigkeit fahren.


Eingesetzt wurde dieses Signal vor allem zur Zugfolgeregelung. Ein typischer Fall: Ein schnellerer Zug folgte dicht auf einen langsameren. Statt den langsameren Zug im Bahnhof überholen zu lassen, konnte der Fahrdienstleiter mit Zs 4 anweisen, die Fahrzeit zu verkürzen und so den Betriebsablauf zu stabilisieren.


Bewusst langsamer: Zs 5


Das Gegenstück dazu ist das Signal Zs 5. Es zeigt ein weißes Rechteck mit rotem Rand und dem Buchstaben „L“ oder nachts einen nach unten zeigenden weißen Lichtwinkel. Das „L“ steht für:  „Der Zug soll langsamer fahren.“


Konkret bedeutete dies: Der Lokführer sollte bis zur nächsten Zugfolgestelle mit etwa zwei Dritteln der zulässigen Höchstgeschwindigkeit fahren. Auch dieses Signal diente der Regelung der Zugfolge. Es wurde beispielsweise genutzt, um einem schnellen Zug anzuzeigen, daß ein langsamerer vorfährt und um damit ein Halt an einem Signal zu verhindern.


Signalgebung „aus dem Fenster“


Das Besondere an Zs 4 und Zs 5 ist ihre Anwendung:


  • Sie wurden nicht fest aufgestellt, sondern
  • vom Fahrdienstleiter oder Wärter aus dem Stellwerksfenster heraus gezeigt.


Dabei galt:


  • Das Signal wurde dem Zug entgegengehalten, bei Bedarf auch angestrahlt
  • Der Lokführer musste die Wahrnehmung mit dem Achtungspfiff (Zp 1) bestätigen
  • Die Anwendung war nur zulässig, wenn das Signal nicht fälschlicherweise von einem anderen Zug aufgenommen werden konnte


Diese Form der Signalgebung erforderte höchste Aufmerksamkeit und ein gutes Zusammenspiel zwischen den Beteiligten.

Die beiden Beispielfotos und noch viel mehr spannende Informationen zu Stellwerken findet man auf der Seite  stellwerke.de. Die Seite wird zwar offenbar nicht mehr aktualisiert, ist aber dennoch sehr informativ.


Vom Sichtsignal zum Funkbefehl


Mit der Einführung des modernen Zugbahnfunks verloren Zs 4 und Zs 5 zunehmend an Bedeutung. Was früher per Schild und Sichtkontakt übermittelt wurde, konnte nun:


  • mündlich per Funk
  • oder codiert über technische Systeme


übertragen werden. Damit verschwanden diese Signale nach und nach aus dem Betriebsalltag.

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