Auf den ersten Blick wirkt sie unscheinbar: eine einfache Tafel am Bahndamm mit dem Buchstaben „P“. Doch hinter der sogenannten Pfeiftafel verbirgt sich ein wichtiges Element der Eisenbahnsicherung.
Pfeiftafeln fordern Lokführer dazu auf, an dieser Stelle ein akustisches Warnsignal mit der Lokpfeife oder dem Signalhorn abzugeben. Dieses Signal dient vor allem der Sicherheit an Bahnübergängen, Feldwegen und unübersichtlichen Streckenabschnitten. Insbesondere dort, wo Schranken fehlen oder die Sicht eingeschränkt ist, sollen Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer rechtzeitig gewarnt werden. Im Signalbuch von 1959 (DV 301) findet man die Pfeiftafel aufgrund ihres bevorzugten Einsatzgebietes entsprechend unter dem Kapitel "Signale für Bahnübergänge" (BÜ).
Bereits zu Zeiten der Königlich Preußischen Eisenbahnen waren Pfeiftafeln weit verbreitet. In dieser Epoche bestanden sie häufig aus massivem Gusseisen. Diese schweren Tafeln spiegeln den hohen Stellenwert wider, den Sicherheit schon damals im Eisenbahnbetrieb hatte.
Unser Exponat im Eisenbahnmuseum Jünkerath stammt aus der Zeit der Deutschen Bundesbahn. Es besteht aus emailliertem Stahlblech und misst 51 x 31 Zentimeter. Damit ist es deutlich leichter als die älteren gusseisernen Ausführungen. Die Emaillebeschichtung sorgt für eine hohe Witterungsbeständigkeit und dafür, dass Beschriftung und Farben auch nach vielen Jahren noch gut lesbar bleiben.
Mit dem technischen Fortschritt und dem Ausbau moderner Sicherungsanlagen verloren Pfeiftafeln zwar vielerorts an Bedeutung, verschwanden jedoch nie vollständig aus dem Bahnbetrieb. Auch heute noch sind sie auf vielen Streckenabschnitten im Einsatz.
Unser Museumsstück des Monats erinnert daran, wie sehr der Eisenbahnbetrieb früher – und trotz aller Technik auch heute noch – auf Aufmerksamkeit, Erfahrung und Verantwortungsbewusstsein des Lokpersonals angewiesen ist. Es steht stellvertretend für die vielen kleinen, oft übersehenen Einrichtungen, die über Jahrzehnte hinweg zur Sicherheit auf der Schiene beigetragen haben.
Wer genauer hinschaut, entdeckt in der Pfeiftafel nicht nur ein einfaches Schild, sondern ein Stück lebendige Eisenbahngeschichte.









