Spannender Vortrag über die Schiefe Ebene

Manfred Jehnen • 6. Oktober 2025

Zu Gast in der Eifel: Jürgen Goller begeistert mit Vortrag über die Schiefe Ebene

(c) Wolfgang Kreckler

Am 4. Oktober 2025 fand im Eisenbahnmuseum Jünkerath ein Vortrag über die unter Eisenbahnfreunden bekannte Schiefe Ebene, eine Steilstrecke in Oberfranken, statt.


Mit diesem Thema haben wir uns in unserer Vortragsreihe erstmals weit über die Eifel- und Moselregion hinausgewagt. Neben der Tatsache, dass die Schiefe Ebene für jeden Eisenbahnfreund von großem Interesse ist, gab es dafür noch einen besonderen Anlass: Vor rund zwei Jahren waren wir mit einer Abordnung im Deutschen Dampflokomotiv-Museum in Neuenmarkt zu Gast und durften dort einen Vortrag über die Eifel- und Moselbahn, insbesondere über deren Steigungen, halten. Zwar lassen sich der Schmidtheimer Berg und der Bengeler Berg in ihren betrieblichen Verhältnissen nur bedingt mit der Schiefen Ebene vergleichen – doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich durchaus interessante Parallelen.


Die Einladung nach Neuenmarkt kam damals von unserem jetzigen Referenten Jürgen Goller, den wir seit vielen Jahren kennen. Nun war Jürgen gemeinsam mit seiner Ehefrau zu einem Gegenbesuch in der Eifel – eine Gelegenheit, die wir gerne genutzt haben, um dieses faszinierende Thema auch hier im Museum einem breiteren Publikum vorzustellen.


Gut 20 Besucher fanden sich an diesem herbstlich ungemütlichen Samstagnachmittag im Museum ein, um den Vortrag zu verfolgen. Zwar hätten wir uns bei einem so spannenden Thema etwas mehr Resonanz erhofft, doch der Zuspruch hängt bekanntlich von vielen Faktoren ab – vielleicht lag es am Wetter oder am verlängerten Feiertagswochenende. Wir wissen es nicht.


Was wir jedoch sicher wissen: Jürgen Goller begeisterte sein Publikum. Mit zahlreichen Fotos, interessanten Fakten, humorvollen Anekdoten und sogar einem kurzen Film spannte er den Bogen von den ersten Überlegungen um 1840 über die Bauzeit von 1844 bis 1848 bis in die Gegenwart, in der dampflokbespannte Sonderzüge noch immer Scharen von Fotografen an die legendäre Steilstrecke locken. Die Schiefe Ebene hat nichts von ihrer Faszination verloren.


Nach gut zwei Stunden endete der Vortrag mit herzlichem Applaus – ein verdienter Lohn für einen ebenso informativen wie unterhaltsamen Nachmittag.


Wir danken Jürgen Goller, der übrigens auch Mitglied der Eisenbahnfreunde Jünkerath e.V. ist, ganz herzlich für seinen Vortrag und freuen uns auf weitere gemeinsame Aktivitäten. 


Die Schiefe Ebene


Im äußersten Nordosten Bayerns, nahe den Grenzen zu Sachsen, Thüringen und Tschechien, liegt im Landkreis Kulmbach ein Streckenabschnitt, der seinerzeit als technisches Meisterwerk galt: die berühmte Eisenbahnsteilrampe „Schiefe Ebene“.


Sie ist Teil der von König Ludwig I. von Bayern initiierten Ludwig-Süd-Nord-Bahn, die ab 1843 gebaut wurde, um das Königreich von Lindau am Bodensee bis nach Hof mit einer durchgehenden Nord-Süd-Verbindung zu erschließen.


Am 1. November 1848 wurde die Rampe ohne Feierlichkeiten in Betrieb genommen. Auf knapp acht Kilometern überwindet sie 158 Höhenmeter – mit einer durchgehenden Steigung von 1:40 (25 ‰). Technische Hilfsmittel wie Seilzüge oder Zahnradantriebe kamen nicht zum Einsatz, die Strecke wurde von Anfang an ausschließlich mit Lokomotiven befahren. Damit wurde die Schiefe Ebene zum Vorbild für spätere Gebirgsbahnen wie die Schwarzwaldbahn, die Geislinger Steige oder die Semmeringbahn.


Im Dampflokzeitalter stellte die Rampe höchste Anforderungen an Mensch und Maschine. Schwere Güterzüge mussten häufig von Vorspann- oder Schiebelokomotiven unterstützt werden. Am Fuß der Steilstrecke entstand mit dem Bahnbetriebswerk Neuenmarkt-Wirsberg ein wichtiger Stützpunkt – heute Standort des Deutschen Dampflokomotiv Museums (DDM).


Bis heute ist die Schiefe Ebene in Betrieb und Teil der Strecke Bamberg – Hof. Zugleich gilt sie als technisches Denkmal von europäischem Rang und zieht Eisenbahnfreunde aus aller Welt an – besonders bei Sonderfahrten mit Dampflokomotiven, die hier an die große Zeit des Dampfbetriebs erinnern.

Noch immer wird die Steilrampe von Dampflokomotiven mit Sonderzügen befahren. Hier sehen wir die heute von Schweizer Eisenbahnfreunden betreute, einstmals in Hof beheimatete Schnellzuglok 01 202 mit einem Sonderzug, der wegen seiner geringen Länge ausnahmsweise keine Schiebelok benötigte.

Foto: Florian Fraaß


Der Referent

Jürgen Goller in der Lokwelt Freilassng

Jürgen Goller ist ein ausgewiesener Eisenbahnexperte. Er ist ehrenamtlicher Mitarbeiter des Deutschen Dampflokomotiv Museums (DDM) im fränkischen Neuenmarkt, forscht zur regionalen Eisenbahngeschichte, macht Führungen, unter anderem im DDM und entlang der Schiefen Ebene, leitet Seminare mit Themen wie „Aufrüsten einer Dampflok“ oder „Technik und Funktion der Dampflokomotive“ und kennt die Schiefe Ebene wie kaum ein anderer.


Auch als Buchautor ist Jürgen Goller bereits in Erscheinung getreten. Er veröffentlichte 1982 im Verlag „Verein der Freunde des Deutschen Dampflokomotiv-Museums“ gemeinsam mit Wolfram Alteneder ein Buch mit dem Titel "Eisenbahnknotenpunkt Neuenmarkt-Wirsberg - Schiefe Ebene, Anschlussbahnen, Bahnbetriebswerk". In Zeitungen und Zeitschriften finden sich regelmäßig Artikel von Jürgen Goller zu eisenbahnhistorischen Themen.


Das Foto zeigt den Referenten bei einem Vortrag in der Lokwelt Freilassing, einem von der Stadt Freilassing und dem Deutschen Museum betriebenen Eisenbahnmuseum.


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